1999

1999: Klüngel, Stapel, …, flöck derlans jeflutsch

KlglStplGZ-Plan 1999Der achte Geisterzug war ein Novum im Kölner Karneval: Er ging teilweise über’s Wasser und teilweise über Land. Erst seitdem bietet die Köln-Düsseldorfer Karnevalspartys auf ihren Schiffen an.

Mit diesem Motto und diesem Zugweg sollte an die Leute angeknüpft werden, die sich der Kölner Wirtschaft, Gesetzen und Vorschriften und dem Klüngel soweit möglich entzogen. Andersdenkende und Randgruppen wurden durch die Jahrhunderte und noch immer verfolgt oder verjagt.

Die Grenzen, was legal ist und was legitim, werden immer wieder verschoben, Gesetze und Vorschriften immer wieder verändert. Nicht alles, was wirtschaftlich erfolgreich ist, ist auch moralisch oder ökologisch zu vertreten.

Wie man sich heute durch den bekannten „Kölschen Klüngel“ Vorteile sichert, so machten es die Kölner im Mittelalter mit dem „Stapelrecht“, das es von 1259 bis 1831 gab. Wer Waren durch den Kölner Raum transportierte, musste diese in Köln ausladen und eine Zeit lang „stapeln“ (also zum Verkauf anbieten). Fuhrwerke konnten Köln umfahren, (wo allerdings Zölle und evtl. Wegelagerer warteten), für Transporte auf dem Rhein war es schwieriger, die Stadt zu umgehen (Ausnahme: Umladen auf den Landweg zwischen Zündorf und Mülheim, was diesen beiden Städtchen einen gewissen Wohlstand sicherte).

Die Kölner hatten Vorkaufsrecht und machten durch dieses legalisierte Raubrittertum Köln zur größten und reichsten Stadt Mitteleuropas.
Eine Berufsgruppe widersetzte sich erfolgreich dem kölschen Klüngel: die Flößer.
Sie transportierten Holz aus den Mittelgebirgen nach Holland und ließen sich nicht aufhalten.

narrenschyffmschwalgewasserAngeregt durch diesen Widerstand zu Wasser hielten die Geister 1999 den ersten „schwimmenden“ Karnevalszug ab: eine (kleine) Flotte der KD transportierte knapp 2.000 Geister von Bonn und insbesondere von Porz (Zündorf hat leider keinen eigenen KD-Anleger) bis vor Mülheim und landete danach hinter’m Dom an.
Die Atmosphäre, die sich spiegelnden Lichter auf dem Wasser, im Winter auf dem Rhein sein, machten diesen Geisterzug zu einem einmaligen, unvergesslichen Erlebnis, wie es der Kölner Karneval bis dahin noch nie erlebt hatte. Gemeinsam mit 30.000 Landgeistern ging der Zug noch zum Sudermannplatz, wo wieder bis in den frühen Morgen gefeiert wurde.

Presseartikel zum Geisterzug 1999:

Express                           Kölner Stadtanzeiger        Kölnische Rundschau
14.02.1999                                  15.02.1999                         15.02.1999

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Express
15.02.1999

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