Die Geisterzüge bisher


1991: Die Null-Nummer 1997: "Afrikanische Träume" 2004: "Reforme un Sozjalavbau dun wieh,
ävver uns zwingk keiner in de Knie!"
Die Wiedergeburt des Geisterzuges 1998: "In Kölle fäch d’r Bessem –
doch Edelwieß un Klagemuur sin nit verjesse"
2005: "Iesije Zigge"
Der erste Geisterzug: 29.2.92 1999: "Klüngel, Stapel, ...,flöck derlans jeflutsch" 2006: "Us dr Lamäng. Jeister am Engk?"
1993: "Me’m Düvel op Jöck" 2000: "Schwatz, bläck, links, jäl,
schräje Jecke trecke schäl"
2007: "Ming Ahl es Kölsche"
1994: fast ein Brückenschlag 2001: "Karneval un Thiater hammer all jän,
he Kölle – jev uns ene wärme Rän"
2008: "Mutter Ääd hät Hetzewallung"
1995: Beddelsäck un uns Trude 2002: "Loß mer schmelze" 2009: "Dr volljöhrije Ähzebär, die Meddelschich un ander ärm Kirchemüs"
1996: Zum Vormärz 2003: "Colonia Corrupta!?"  
 

1991: Die Null-Nummer

Die Geisterzüge der letzten Jahre hätte es wohl nicht gegeben, wenn nicht im Winter 1990/91 nach dem Einmarsch der Iraker in den Erdölstaat Kuwait die US-Regierung die Weltwirtschaft in Gefahr gesehen hätte und daraufhin den Irak mit einem Krieg überzog, der durch die US-Zensur auf den Fernsehern der Welt als Videospiel erschien. Reale Leichen und Verstümmelte gab es im TV so gut wie nicht.
In Deutschland hatte die Polizei nicht genug Mitarbeiter, um den wg. des Krieges verstärkten Objektschutz und gleichzeitig die rheinischen Karnevalsumzüge abzusichern. Daher wurde der Straßenkarneval verboten.
Die offizielle Begründung "in Kriegszeiten dürfe man nicht so ausgelassen feiern" entlarvte sich schnell als vorgeschoben: denn während des Krieges in Jugoslawien gab es diese Pietät kaum. In New Orleans feierten die Amerikaner während des Krieges wie in anderen Jahren auch.
Es zeigte sich, dass Antimilitarismus und Skepsis gegen Obrigkeiten in Köln durchaus mit dem Karneval kompatibel sind.
Friedensengel und Weltenbummler Arm in Arm, Bild: KR Das Kölner Friedensplenum rief auf Vorschlag von Erich Hermans zu einer Anti-Golfkriegs-Demo am Rosenmontag auf dem üblichen Rosenmontagszugweg auf. Die Anhänger des offiziellen Karnevals wollten "den Chaoten" die Strecke nicht überlassen und gingen mit. Diese Mischung wurde einer der schönsten Umzüge der Kölner Geschichte. Es war wohl das einzige Mal in der gesamten Geschichte, dass die gesamte Schildergasse gemeinsam "Schneeflöckchen, weiß Röckchen ... ." sang.
Über diesen Zug wurden mehrere Bücher geschrieben, weshalb hier nicht weiter in die Details gegangen wird.


zum Seitenanfang

 

Die Wiedergeburt des Geisterzuges

Stunkstern Nachdem sie die Stimmung dieses Anti-Golfkriegs-Rosenmontags miterlebt hatten, fragten sich etliche Leute: wie geht es weiter mit dem Fastelovend in Kölle? Bleibt er weiter in den Händen der offiziellen Karnevalisten? Gibt es als Alternative nur Stunksitzung-Gucken, Zug vorm Zug, Nubbelverbrennungen und ein paar gute Ideen in Schull-un-Veedels-Zöch und den Vorortzügen?

Nach einem Presseaufruf von Erich Hermans fanden sich im Herbst 1991 Leute, die den Geisterzug, eine neue uralte Form des Karnevals wieder aufleben lassen und pflegen wollten.

Ein ganz kurzer Ausflug in die Geschichte:
Der ganze Karneval ist ein Jahrtausende altes Fest, mit dem die hinter dem Herd überwinternden Geister der Ahnen aus dem Haus gejagt wurden, sie sollten die Erde wieder fruchtbar und die Sonne wieder wärmer machen. Sie wurden mit viel Lärm vertrieben, zu der ihnen gemäßen Tageszeit: im Dunkeln.
Im Mittelalter waren Knechte, Mägde, Gesellen vom 11.11. bis zum Frühling arbeitslos und mussten betteln. Soziale Ausschreitungen kamen schon mal vor.
Die bürgerliche Karnevals-Reform 1823 machte das wilde nächtliche Fest kontrollierbar, es gab nun Umzüge tagsüber. Dem einfachen Volk wurde ein Geisterzug im Dunkeln samstagabends zugestanden, den man nach der Unterdrückung der 1848er Revolution zum Rekruteneinzug der Funken umfunktionierte.

Die Gruppe entschied sich, die Geisterzüge unter folgende Prämissen zu stellen:
– Der Zug soll sowohl karnevalistisch als auch politisch sein: jedeR kann diesen Zug benutzen als Demonstration für oder gegen das, was nach seinem/ihrem Erachten gefördert/bekämpft werden muß. Und wer "einfach nur" feiern will, wird nicht ausgeschlossen.
– JedeR darf mitgehen, notfalls auch Unmaskierte. Zuschauer werden geduldet, Mitgehende werden lieber gesehen. Als besonderes Bonbon für die etwas Aktiveren: et jit kei Kamelle, och kei Strüßjer. Hühstens ens e Bützje.
– Der Zugweg ist jedes Jahr ein anderer. Es soll nicht wie bei die anderen Zügen immer die selbe Strecke langgelatscht werden, sondern der Geisterzug wird auch als Stadtführung betrachtet zu historisch bedeutsamen Orten und Gebäuden und durch Straßen, Gassen, Viertel, die nicht jedeR in und um Köln Wohnenden hinreichend bekannt sind.
– Soweit möglich, besteht ein Bezug zwischen dem jeweiligen Motto und dem Weg.
- Trotz PC-Benutzung und Autofahren einiger Organisatoren ist der Geisterzug technikfeindlich. Im Zug sind Casettenmusik und KFZ unerwünscht. Musikmachen kann man auch ohne Strom. Die vielen Sambagruppen und Kochpottdeckelspieler beweisen es. Angeblich soll es auch Leute geben, die noch Texte von Karnevals- und Polit-Liedern singen können.


zum Seitenanfang

  Radierung Ähzebär, Novaky

Der erste Geisterzug: 29.2.92

Das Datum war günstig: Karnevalssamstag war ein Schalttag, also zwischen den Zeiten. Zahlenmystiker erkennen in der harmonischen Ziffernfolge 2-9-2-9-2 schnell die Zahl der Jecken und der Kölner Jungfrauen:
2 + 9 = 11, erneute Quersumme 1 + 1 + 2 + 1 + 1 = sex.

Das Motto hieß "d’r Ähzebär kütt".
Die älteste Karnevalsmaske sollte wieder bekannt gemacht werden, später benannten die Organisatoren sich danach: Ähzebär un Ko e.V.
Der Erbsenbär ist die Personifizierung des Winters höchstselbst: ihn auszutreiben bedeutet nach alter Mythologie die Bären aus den Höhlen und die Erbsen aus den Schoten zu treiben, woraufhin der Frühling wieder einziehen kann.
Da nicht immer genug Erbsenstroh zur Verfügung stand, entwickelte sich aus diesem Urkostüm über die Ausweichmaterialien eine Vielzahl anderer traditioneller Kostüme vom allemanischen Schneckenkostüm über den Eifler Köckenmann bis zum hiesigen Lappenclown. Auch die Nubbelverbrennung basiert auf dem Verbrennen des Strohkostüms.
Der erste Geisterzug bestand aus rund 10.000 Teilnehmern und ca. 50.000 Zuschauern (sämtliche Zahlen auf dieser Seite sind Schätzungen von Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau, Express). Wirklich trennen kann man die beiden Gruppen nicht. Viele, die erst Zuschauer waren, gingen ein Stück der 8,2 km mit und wurden danach wieder zu Zuschauern.

Karikatur Probleme, Schwalge Probleme mit der Genehmigung des Zuges gab es viele, doch ein Verbot konnte sich das Ordnungsamt nicht leisten. Die Forderungen des Amtes haben sich in den Jahren zwar teilweise geändert, aber ganz reibungsfrei ging es bis 2000 nie. Eine Organisation, so perfekt wie vom Amt gefordert, kostet viel Geld, das die Organisatoren nicht haben.
Die Sponsoren halten sich zurück, da es in unserem Zug keine Werbeflächen gibt und die Spenden laufen viel zu schleppend.
Daran können Sie/ kannst Du etwas ändern: bitte anklicken: Unterstützung

Der Weg schlängelte sich über etliche weniger bekannte alte Straßen vom Verkehrsamt über Burgmauer, Mariengartengasse, Sporergasse, Bürgerstraße, Hühner- & Bolzengasse, Lichhof, Hochpfortenbüchel, Schart- & Schemmergasse, Rinkenpfuhl, Ketten- & Steinfeldergasse, Probsteigasse, Altengrabengasse, Stavenhof und Ewaldistraße zur Agneskirche. Trotz des zu langen Weges hielten erstaunlich viele durch und feierten vor der Agneskirche weiter, bis die trockenen Kehlen ihren Tribut forderten.
Da dieser Zug erst einmal was zum Kennenlernen war, kamen nur wenige Gruppen mit politischen Themen. Viel zu viele Teilnehmer waren unkostümiert.


zum Seitenanfang

  Radierung Me’m Düvel op Jöck, Henze Teil 1 (anklicken für größer ...) Radierung Me’m Düvel op Jöck, Henze Teil 2 (anklicken für größer ...) Radierung Me’m Düvel op Jöck, Henze Teil 3 (anklicken für größer ...)









1993: "Me’m Düvel op Jöck"


Der zweite Geisterzug titschte zwischen römischer Hochstraße und Rheinufer hin und her. Von Sankt Georg über Lyskirchen, Kapitol, Groß Sankt Martin, um den Dom, Maria Himmelfahrt und Kunibert zum Eigelsteintor wurde der nötige sakrale Rahmen eingehalten.
Zur Strafe goss es ab dem Dom in Strömen. Von den etwa 15.000 Teilnehmern verflüchtigten sich viele unter die Domplatte und in den Hauptbahnhof, die Spitze von rund 500 Leuten ging tapfer durchs Kunibertsviertel und noch ca. 2000 weitere kamen über den Eigelstein zum Tor, von wo aus schnell die U-Bahn und die Kneipen gestürmt wurden.
Dabei hatte es auf dem Waidmarkt recht gut angefangen: neben Gespenstern gab es viele Nonnen, Teufel, Priester und auch mehrere Grüppchen mit politischen Themen.


zum Seitenanfang

  Graphik schäle Jecke trecke schäl, Hermans (anklicken für größer ...)

1994: fast ein Brückenschlag

Der dritte Geisterzug sollte eigentlich der erste mit einem stärkeren politischen Anspruch werden: Freiheit und ihre Unterdrückung waren das Thema.
Beginnend bei den Deutzer Asylbewerberschiffen durch das römische Kastell, entlang der Innenseite der preußischen Kasematten und über die Tempelstraße, Deutzer Freiheit und Deutzer Brücke sollte er auf der ehemaligen Martinsinsel zum Heinrich-Böll-Platz ziehen.
Graphik Hexensabbat, Hampe (anklicken für größer ...) Doch durch starke Querelen in der Gruppe wurde der Zugweg auf einen einzelnen km zwischen Deutzer Bahnhof und Tempelstraße zusammengekürzt und das Thema durch "Hexensabbat" ersetzt. Entsprechend unpolitisch waren die Grüppchen, wenn auch teilweise phantasievoll kostümiert.

Die ca. 20.000 Teilnehmer hatten große Probleme, vom Ottoplatz zu starten und in die Neuhöfferstraße zu kommen. Doch als sie einmal in Bewegung waren, waren sie nicht mehr zu halten: über die Deutzer Brücke gab es viele kleine und mittlere Geisterzüge, die sich ihre eigenen Wege Richtung Südstadt, Belgisches Viertel, Altstadt und Eigelstein suchten.
Hierbei zeigte sich, dass es sinnvoll ist, den Kfz-Verkehr vom Zug wegzuhalten, denn an diesem Abend gab es viele haarige Situationen. Zum Glück ging trotzdem alles gut.



zum Seitenanfang

  Jeist 95

1995: Beddelsäck un uns Trude

War das Vorjahresmotto eher belanglos, so glänzte der vierte Geisterzug gleich mit zwei Motti:
"Beddelsäck, Spetzbove, Malötzije un andere anständije Lück" thematisierte Armut, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung. Es ging vom Arbeitsamt durchs Kwartier Lateng, über Rathenauplatz (1930 war dort eine Außenstelle des Arbeitsamts), Jugendamt, vorbei an mittelalterlichen Kirchen (vor denen früher die Bettler auf ihre Almosen warteten) und Zucht- und Arbeitshäusern nach Sankt Ursula.

Trude Herr Untertitel war "Hommage an Trude Herr", eine große Kölner Künstlerin, die auch manche Ausgrenzung erlebte. Wir versuchten, die Fußgängerzone "Am Justizzentrum" offiziell in "Trude-Herr-Platz" umbenennen zu lassen.
Das gelang zwar nicht, aber immerhin wurde dafür der neue Park neben dem Bürgerzentrum Stollwerck in "Trude-Herr-Park" benannt.

Da es vor Beginn des Zuges regnete, begann längst nicht für alle der ca. 15.000 Teilnehmer der Zug am Arbeitsamt, sondern erst an der Eisenbahnunterführung Luxemburger Straße. Dafür wurde es im Kwartier Lateng recht eng.
Mehrere Gruppen bezogen sich auf das Thema Arbeitslosigkeit, eine Gruppe mittelalterlicher Bettler lagerte u.a. vor Sankt Aposteln und überwies den Veranstaltern die Einnahmen. Vielen Dank dafür.
Aufgrund großer Lücken fanden höchstens noch 5.000 Teilnehmer den richtigen Weg nach Sankt Ursula. Ein Teil davon feierte dann noch mehrere Stunden vor der Kirche.



zum Seitenanfang

  Maskerade 1848 (anklicken für größer ...) Geisterweltkugel,  Erich Hermans (anklicken für größer ...)

1996: Zum Vormärz

Der fünfte Geisterzug stand unter dem Motto "Wenn die Welt erst närrisch wird, wird sie bald vernünftig", einer Zeile aus einem Lied "Haben in der Weisheit Joch" von Robert Eduard Prutz aus dem Jahr 1843, wegen seines Abdrucks wurde damals die Rheinische Zeitung von der preußischen Zensur verboten. Köln trat zwar in der 48er Revolution nicht besonders hervor, aber in den Jahren davor traf sich hier die linke Intelligenz: Karl Marx, Fritz Engels, Robert Blum, Franziska Annecke lebten hier, der erste und lange Zeit größte Arbeiterverein Deutschlands wurde hier gegründet.
Auf der Schildergasse vor dem ehemaligen Café Stollwerck (der damaligen "Scene-Kneipe") begann der Zug, ging zum Rathaus, über Fischmarkt, Witschgasse, Weberstr. und vorbei am in den 1980er Jahren besetzten Stollwerckgelände zum Severinstor.

Geisterweltkugel, Veronika Richter Dieser Zug brachte eine neue Größenordnung: mit rund 100.000 Teilnehmern und Zuschauern wurden erstmals die Zahlen der Schull- un Veedelszöch überrundet (wg. Regen nur 90.000).
Unser Thema regte wieder etliche Teilnehmer an: auf’s letzte Jahrhundert bezogen sich ein Indianerstamm und die "Dude Funke", auch aktuelle Politik, z.B. die Atomtests auf Mururoa und das Verhalten von Shell in Nigeria kam nicht zu kurz.
Das Getrommel am Severinstor ging bis tief in die Nacht weiter.



zum Seitenanfang

  Afrikanischer Jeist, Veronika Richter

1997: "Afrikanische Träume"

Unter diesem Motto ging der sechste Geisterzug durch Nippes und Nordstadt. Es wurde versucht, die Beziehungen Kölns zu den ehemaligen Kolonien und zu hier lebenden Ausländern aufzuzeigen.
Karikatur Geister in Afrika, Schwalge Zunächst ging es durch das "Afrikaviertel". Die nach Lüderitz und Carl Peters benannten Straßen wurden erst vor wenigen Jahren im Nachgang eines von Erich Hermans gestellten grünen Bezirksvertretungs-Antrages in Usambarastraße und Namibiastraße umbenannt.
Weiter ging es durch "et Usland", wie Nippes von alten Kölschen noch genannt wird, zum Wilhelmsplatz, dessen Markt auch in der Türkei allgemein bekannt ist. Vor der Shell-Tankstelle Neußer Straße wurde Ken Saro Wiwas gedacht. Enden sollte der Zug am Bürgerzentrum Alte Feuerwache in der Melchiorstraße, die nach dem schwarzen der Heiligen Drei Könige benannt ist. Doch viele Teilzüge zogen weiter in die Innenstadt.
Dieser Geisterzug kam auf rund 150.000 Teilnehmer und Zuschauer.



zum Seitenanfang

  Besengeist, Hermans

1998: "In Kölle fäch d’r Bessem –
doch Edelwieß un Klagemuur sin nit verjesse"

Mit diesem Motto des siebten Geisterzuges sollte Stellung bezogen werden zu allen Formen sozialer "Säuberungen":
– Vertreibung von Obdachlosen und anderen Randgruppen aus dem Kernbereich der Innenstadt, um "bessere" Käuferschichten anzulocken,
– Verdrängung von Kleinbetrieben aus den Ehrenfelder Bahnbögen und Zerschlagung proletarische Strukturen, um auch diesen Vorort einer gehobenen Mittelschicht anzupassen,
– Verlagerung der Produktion größerer Arbeitgeber wie 4711 in Niedriglohnländer und somit Wegfegen hiesiger Arbeitsplätze,
und und und.
Stellvertretend für all diese "Säuberungs"-maßnahmen nahmen wir zwei der Themen in unser Motto auf: die Edelweißpiraten und die Klagemauer.

Wir zogen vorbei an Orten, an denen im 2ten Weltkrieg die Edelweißpiraten wirkten und einige von ihnen starben, und wollten am Stammplatz der Klagemauer, die sich gegen die "Bereinigung" der Innenstadt einsetzt und dafür den Aachener Friedenspreis verliehen bekam: Auf der Litsch (vor’m Dom), enden. Dieser Auflösungsort wurde verboten.
Am offiziell genehmigten Auflösungsort Schildergasse sollte ein Großaufgebot der Polizei den weiteren Weg zum Dom verhindern. Doch ab der Antwerpener Straße zerfaserte der Zug in gewohnter Weise, so dass nur wenige der etwa 60.000 Zugteilnehmer zur Schildergasse kamen.

Durch Querelen hatte sich die Zahl der Aktiven nochmals verringert, so dass dieser Zug von nur 2 Personen organisiert wurde.
Durch die Bereitschaft mit dem persönlichen Vermögen zu haften und eine vom damaligen Oberstadtdirektor Heugel vermittelte Spende konnte das finanzielle Aus in letzter Minute verhindert werden.



zum Seitenanfang

  Plakat Klüngel Stapel, Hermans + Stöcker (anklicken für größer ...)

1999: "Klüngel, Stapel, ...,flöck derlans jeflutsch"

Der achte Geisterzug war ein Novum im Kölner Karneval: Er ging teilweise über’s Wasser und teilweise über Land.
Erst seitdem bietet die Köln-Düsseldorfer Karnevalspartys auf ihren Schiffen an.

Mit diesem Motto und diesem Zugweg sollte an die Leute angeknüpft werden, die sich der Kölner Wirtschaft, Gesetzen und Vorschriften und dem Klüngel soweit möglich entzogen.
Andersdenkende und Randgruppen wurden durch die Jahrhunderte und noch immer verfolgt oder verjagt.
Die Grenzen, was legal ist und was legitim, werden immer wieder verschoben, Gesetze und Vorschriften immer wieder verändert. Nicht alles, was wirtschaftlich erfolgreich ist, ist auch moralisch oder ökologisch zu vertreten.
Das Narrenschyff (anklicken für größer ...) Wie man sich heute durch den bekannten "Kölschen Klüngel" Vorteile sichert, so machten es die Kölner im Mittelalter mit dem "Stapelrecht", das es von 1259 bis 1831 gab.
Wer Waren durch den Kölner Raum transportierte, musste diese in Köln ausladen und eine Zeit lang "stapeln" (also zum Verkauf anbieten). Fuhrwerke konnten Köln umfahren, (wo allerdings Zölle und evtl. Wegelagerer warteten), für Transporte auf dem Rhein war es schwieriger, die Stadt zu umgehen (Ausnahme: Umladen auf den Landweg zwischen Zündorf und Mülheim, was diesen beiden Städtchen einen gewissen Wohlstand sicherte).
Die Kölner hatten Vorkaufsrecht und machten durch dieses legalisierte Raubrittertum Köln zur größten und reichsten Stadt Mitteleuropas.
Eine Berufsgruppe widersetzte sich erfolgreich dem kölschen Klüngel: die Flößer.
Sie transportierten Holz aus den Mittelgebirgen nach Holland und ließen sich nicht aufhalten.

Karikatur Geisterzug auf´s Wasser, Schwalge Angeregt durch diesen Widerstand zu Wasser hielten die Geister 1999 den ersten "schwimmenden" Karnevalszug ab:
eine (kleine) Flotte der KD transportierte knapp 2.000 Geister von Bonn und insbesondere von Porz (Zündorf hat leider keinen eigenen KD-Anleger) bis vor Mülheim und landete danach hinter’m Dom an.
Die Atmosphäre, die sich spiegelnden Lichter auf dem Wasser, im Winter auf dem Rhein sein, machten diesen Geisterzug zu einem einmaligen, unvergesslichen Erlebnis, wie es der Kölner Karneval bis dahin noch nie erlebt hatte.
Gemeinsam mit 30.000 Landgeistern ging der Zug noch zum Sudermannplatz, wo wieder bis in den frühen Morgen gefeiert wurde.



zum Seitenanfang

  Reigen Mülheim, Erich Hermans (anklicken für größer ...)

2000: "Schwatz, bläck, links, jäl,
schräje Jecke trecke schäl"

Beim neunten Geisterzug stand das Thema Integration im Mittelpunkt.
Linksrheinische – Rechtsrheinische, Linke – Konservative, Europäer – Asiaten – Afrikaner, Türken – Kurden, Kölner – Düsseldorfer, Arme – Reiche, Heteros – Lesben – Schwule, Gesunde – Kranke, und und und –
es gibt viele Gegensätze, die überwunden werden müssen. Das alles gibt es auch entlang unseres Zugweges. Darum wollten wir alle Linksrheinischen (auch Nicht-Kölner) und Rechtsrheinischen einladen, die "Schäl Sick" näher kennen zu lernen.
Hier wurde in den letzten 250 Jahren der Reichtum Kölns erarbeitet. Hugenotten u.a., denen der Zuzug ins heilige katholische Köln verwehrt wurde, gründeten hier Firmen, die für die einstmals blühende Industrielandschaft auf der "Schäl Sick" standen. In den 1970er Jahren begann das Sterben dieser Wirtschaftszweige. Die großen Fabriken entließen Menschen, manche wurden geschlossen und ganz abgerissen. Eine Verslumung begann, um die sich die Stadt lange nicht kümmerte. Es war eben die "Schäl Sick". Die Bevölkerungsstruktur wird heute geprägt von einer hohen Arbeitslosenzahl und einem hohen Anteil ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Peu à peu werden etliche Industriebrachen anderen Nutzungen zugeführt.

"Schwatz, jäl" waren Einladung für Nichteuropäer, "bläck" steht für große Offenheit,
"links" vertritt neben politischer Gesinnung auch die Internet-Präsens des Vereins und (in Verbindung mit "schäl") die Besucher von der anderen Rheinseite.
Viele weitere Assoziationen sind möglich.

Die Probleme mit dem Ordnungsamt waren größer als in den Vorjahren.
Sie waren so erheblich, dass die Organisatoren sich entschlossen, den Umzug abzusagen und sich auf das Abschlussfest zu beschränkten. Und es bei der Absage beließen.
Trotzdem zogen 4.000 Geister vom Wiener Platz zur Sünner-Brauerei, wo das Abschlussfest bereits in vollem Gange war. Zwischen Biergarten und Kalker Kapelle ging bis in die Morgenstunden gar nichts mehr. Auch dank der äußerst kooperativen Polizei hielt sich das Chaos in Grenzen.



zum Seitenanfang

  Geldgeister, Jo Essig (anklicken für größer ...)

2001: "Karneval un Thiater hammer all jän,
he Kölle – jev uns ene wärme Rän"

Das Motto des zehnten Geisterzuges sollte auf die schlechte Finanzlage sowohl des Geisterzuges als auch der freien Theater und anderer freier sozialer und kultureller Initiativen aufmerksam machen. Deshalb der Aufruf um einen warmen Geldregen.
Der Zug passierte (mehr oder weniger nah) Orangerie, Multi-Art-Theater, Theater "der Keller", Freies Werkstatt-Theater, Theater am Sachsenring, Living Theatre Köln, Odeon (ehem. Trude-Herr-Theater) und Comedia Colonia.
Von der Loreleystraße ging es zum Heumarkt, wo mit einem großen Abschlussfest der neugestaltete Platz eingeweiht wurde.
Mal abwarten, ob das zwischenzeitlich mehrfach erneuerte Pflaster endlich endgültig liegt. Oder ob es wie der Dom und der Rathausturm nie wirklich fertig werden wird.

Etwa 25.000 Geister gingen mit, am Chlodwigplatz und im Vringsveedel wühlte sich der Zug durch etwa 150.000 Zuschauer. Der Heumarkt war voll, es war ein ständiges Kommen und Gehen in die Altstadt.



zum Seitenanfang

  Loß mer schmelze, Erich Hermans (anklicken für größer ...)

2002: "Loß mer schmelze"

Mit dem Motto des elften Geisterzuges sollte einerseits an das Frost- und Winteraustreiben als Ursprung des Karnevals erinnert werden und andererseits zur Ver-brüder-/-schwester-ung mit Menschen anderer Herkunft wie auch zwischen "alten" dörflichen Strukturen und "neuen" Siedlungsformen und Trabantenstädten beigetragen werden.
Der Untertitel "Kölsch Jemölsch tösche Höff un Plaate" sollte betonen, dass weder die Zugteilnehmer noch die Anwohner des Weges homogene Massen, sondern jeweils sehr gemischt und trotzdem alle kölsch sind. Auch bewegte sich der Zug sowohl räumlich als auch zeitlich zwischen Höfen und Trabantenstädten, zwischen Mittelalter und Gegenwart.
Daher ging der Zug dieses Mal von Longerich über Heimersdorf nach Chorweiler.
Ein starkes Unwetter in der Stunde vor Zugbeginn sorgte dafür, dass etliche durchnässte Teilnehmer doch nicht mitgehen konnten, sondern nach Hause fuhren.
Probleme bei der KVB hielten viele Leute davon ab, den Zug überhaupt zu erreichen.
Dennoch zogen etwa 20.000 Geister diesen Weg, der bewusst Abstand zur Innenstadt hielt. Viele Einwohner freuten sich, dass ihre Stadtteile dieses Mal mit einem zusätzlichen Zug und Abschlussfest auf dem Pariser Platz bedacht wurde.



zum Seitenanfang

  Colonia 
Corrupta!?, Hermans

2003: "Colonia Corrupta!?"

Der zwölfte Geisterzug ging durch Lindenthal und Sülz.
Als Motto wurde der Titel des Buches von Werner Rügemer übernommen, in dem er über Kölner Korruption schreibt.
Viele in der Kölner Wirtschaft und Politik Führende leben oder arbeiten in Lindenthal, entsprechend ist hier ein Zentrum sowohl für legale Geschäfte als auch für Korruption. In der Uni werden diejenigen ausgebildet, die in den kommenden Jahrzehnten diese Geschäfte fortführen werden.
Das Krieler Dömchen war ein Eckpunkt des Zugweges.Hier befreundete sich Karl der Große mit dem Priester Hildebold, den er später zum Kölner Erzbischof machte.

Da Bush junior völkerrechtswidrig mit einem eigenen Golfkrieg die Amerikaner von innenpolitischen Problemen ablenken wollte, riefen die Organisatoren des Geisterzuges dazu auf, diesen Zug wie seinerzeit die Nullnummer während des Golfkrieges von Bush senior als Friedensdemo zu nutzen, was auch getan wurde.

Da Sülzburgstr. und Berrenrather Str. sich aus dem Zug in eine Riesenparty verwandelten, schaffte es nur etwa ein Drittel der 30.000 Teilnehmer, den weiteren Weg nach Lindenthal zu gehen. Durch einen Gasrohrbruch an der Mommsenstr. wurde der Zug zunächst länger gestoppt und dann im großen Bogen umgeleitet, so dass am Krieler Dömchen viele Zuschauer umsonst warteten.
Vor dem ab 22 Uhr strömenden Regen flohen viele Geister, so dass den tollen Musikgruppen auf dem Abschlussfest ab da nur noch ein paar Handvoll Leute lauschten.



zum Seitenanfang

  Reforme un 
Sozjalavbau dun wieh, Post

2004: "Reforme un Sozjalavbau dun wieh,
ävver uns zwingk keiner in de Knie!"

Der 13te Geisterzug lief auf einer recht kurzen Strecke nur durch Ehrenfeld.
Die derzeitigen Reformen sorgen dafür, dass viele Leute immer weniger Geld zur freien Verfügung haben. Arbeitsplätze werden durch die Reformen kaum geschaffen, im Gegenteil. Die Inlandsnachfrage sinkt, damit wird die Wirtschaft bestimmt nicht angekurbelt.
Die katastrophale Finanzlage der Kommunen zwingt diese zu Kürzungen im Sozialen Bereich, in Jugendeinrichtungen, Bädern und vielem mehr.
Wir wollten mit unserem Motto dazu beitragen, dass sich die Leute trotzdem nicht unterkriegen lassen und z.B. durch feiern sich schöne Momente schaffen.

Dieser Geisterzug war mit etwa 200.000 Teilnehmern und Zuschauern wohl der bislang größte. Das Abschlussfest in der Lichtstr. und die Feiern in den umliegenden Discos waren ein voller Erfolg.



zum Seitenanfang

  Iesije 
Zigge, Kolenda

2005: "Iesije Zigge"

Von den Konsumtempeln der Innenstadt durch die Nordstadt zum Eisstadion lief der 14te Geisterzug. Das Motto hieß übersetzt "Eisige Zeiten".
Unabhängig vom Treibhauseffekt wird das soziale Klima in Europa immer kälter:
Hartz IV, immer größere Massenarbeitslosigkeit, Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer, Rentenversteuerung, steigende Gesundheitskosten, mangelhafte Bildungspolitik, immer noch größere Belastungen für die, die noch einen Job haben bei gleichzeitiger Arbeitszeitverlängerung und realen Lohnkürzungen, und und und ...
es gibt viele Probleme, die immer mehr Menschen frösteln lassen.

Unter den ca. 40.000 Teilnehmern waren neben den üblichen Geistern, Teufeln, Nonnen, Mönchen u.ä. mehr "normale", farbige Kostüme als in den Vorjahren. Es gab auch mehr Feten von Anwohnern des Zugweges.
Der Eigelstein und die Neusser Str. wurden zu zwei großen Partys, so dass viele Teilnehmer nie beim Abschlussfest am Eisstadion ankamen.



zum Seitenanfang

  Plakat 2006, Hermans

2006: "Us dr Lamäng. Jeister am Engk?"

Das Motto des 15ten Zuges beschrieb die Situation der Organisatoren: nur noch sehr wenige, überlastet und mittlerweile ziemlich demotiviert.
Außer Kämmerei und Festkomitee gab es aber keine Spender oder Sponsoren.
Die meisten Zugteilnehmer der letzten Jahre wollten nur abfeiern, der politische Charakter der Geisterzüge interessierte sie nicht.
Wir überlegten uns, den Geisterzug 2006 komplett ausfallen zu lassen. Und wollten sehen, ob dies das Ende der Geisterzüge ist. ("Jeister am Engk?")

Doch baten uns Polizei und Ordnungsamt zwei Wochen vor Karneval, doch einen offiziellen Zug durchzuführen. Hauptgrund war die Sicherung des Straßenverkehrs:
hätten die diversen Züge Hauptverkehrsadern gekreuzt, hätte es zu ähnlich haarigen Situationen wie 1994 auf der Deutzer Brücke kommen können. Nicht genehmigte Geisterzüge würden konsequent aufgelöst. Für möglicherweise daraus folgende Auseinandersetzungen konnten wir nicht die Verantwortung übernehmen.

Wir entwickelten kurzfristig ("us dr Lamäng") einen kurzen Zugweg durch die Innenstadt, der mit möglichst wenig Absperrgerät und Ordnern gesichert werden konnte.
Es ging vom Roncalliplatz durch die Altstadt und Gürzenichstr./ Schildergasse zum Zeitungsbrunnen auf der Breite Str.
In der Nähe des Heinzelmännchenbrunnens luden mehrere Tribünen zum Feiern ein, viele der etwa 4.000 Teilnehmer fanden den restlichen Weg nicht. Die Zuschauer wurden auf rund 10.000 geschätzt.
Auf ein Abschlussfest wurde in diesem Jahr verzichtet.

Unberechtigterweise machten sich die Veranstalter des Balls der Prinzengarde Sorgen, dass ihre Besucher und Musiker nicht durch den Geisterzug zum Gürzenich kämen. Doch unsere Ordner hatten die Situation am Heumarkt im Griff.

Zusätzlich zu unserem Geisterzug gab es in diesem Jahr einen weiteren, der mit ca. 120 Teilnehmern durch Ehrenfeld ging.



zum Seitenanfang

  Geistin 2007 vor'm Dom, S. Herzau (anklicken für größer ...)

2007: "Ming Ahl es Kölsche"

Das Motto des 16ten Zuges war an das der "Offiziellen" angelehnt: "Mir all sin Kölle". Das klang nach Karneval wie immer. Unsere Verballhornung "Ming Ahl is Kölsche" versprach Liebe, Lust und Spaß am Feiern.
Entsprechend dem integrativen Charakter der beiden Motti wollten wir den nicht in Deutschland geborenen Kölner/innen und ihren Kindern und Enkeln kölsches Brauchtum näher bringen und hofften, dass sie es mit ihren eigenen Traditionen bereichern würden.

Bei optimalem Wetter ging es durch Neu-Ehrenfeld und Nippes.
zum Zugweg 2007

Die Zugteilnehmer (lt. Presse 40.000) feierten wieder eine große Party, politische Themen wurden erneut von nur sehr wenigen dargestellt.

Wir haben keine Idee mehr, wie wir die Masse davon überzeugen können, dass der Geisterzug keine reine Konsumveranstaltung ist, sondern Teil einer Demonstrationskultur, die es auch in Deutschland immer noch gibt. Und denjenigen, die in politischen Gruppen aktiv sind, ist immer noch nicht bewusst, dass der Geisterzug DIE ideale Plattform für sie ist.



zum Seitenanfang

 
Paddeljeist 2008, anklicken für mehr ...
Informationen zu
Bild und Maler

2008: "Mutter Ääd hät Hetzewallung"

Der 17te Geisterzug ging durch Mülheim, Buchforst und Kalk.
zum Zugweg 2008

Thema war der Klimawandel, den wir Menschen selber schuld sind. Durch das Schmelzen der Polarkappen steigt der Meeresspiegel, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann Köln absäuft.
Um uns auf diese Zeit langsam vorzubereiten, verlagerten wir den Geisterzug Richtung Bergisches Land. Kalk und Mülheim gehöhren dazu, sie wurden erst 1910 bzw. 1914 nach Köln eingemeindet. Grund war damals die Abschöpfung der dortigen Wirtschaftskraft, aufgebaut von Leuten, die sich im heiligen katholischen Köln nicht niederlassen durften.
Ab den 1970er Jahren starben ganze Wirtschaftszweige, die "Schäl Sick" verarmte, die Arbeitslosigkeit stieg, die Bevölkerung wurde internationaler. Mittlerweile werden wieder mehr Industriebrachen neuen Nutzungen zugeführt.

Etwa 20.000 Teilnehmer gingen vom Wiener Platz durch die Keupstr. Richtung Graf-Adolf-Str. Doch das Kreuzen der Zuschauermassen auf der Frankfurter Str. gelang nicht so richtig. Die Zugspitze kam durch, dann wurde eine sehr große Lücke gerissen, später schafften es noch etwa 4.000 Geister nach Kalk zu kommen.

Presseartikel zum Geisterzug 2008:
Brigitte 4, 2008   Kölner Stadtanzeiger 04.02.2008   Kölnische Rundschau 04.02.2008
Bild 04.02.2008   Express 04.02.2008   Kölner Wochenspiegel 30.01.2008




zum Seitenanfang

 
Bär un Müüs 2009, anklicken für mehr ...
Informationen zu
Bild und Malerin

2009: "Dr volljöhrije Ähzebär, die Meddelschich un ander ärm Kirchemüs"

Der Geisterzug 2009 war der 18te. Somit wurde er, zusammen mit seiner Symbolfigur, dem Ähzebär, volljährig.

Unser politisches Thema war die Verarmung weiter Bevölkerungsteile:
- Die Einkommen waren in den letzten Jahren kaum gestiegen,
- immer mehr Leute wurden aus ihren Beschäftigungsverhältnissen gedrückt und müssten schlechter bezahlte Stellen akzeptieren oder wurden arbeitslos,
- die Preise insbesondere bei Lebensmitteln und Energiekosten entschwanden in unbekannte Höhen,
- auch Menschen, die sich bisher zur Mittelschicht zählten, verarmten. (Durch die Finanzkrise noch mehr.)

Alle Betroffenen wollten wir ehren, indem wir ihnen einen Zug durch Rodenkirchen widmeten.
zum Zugweg 2009

Wie auch schon in manchen Vorjahren kam der Mottovorschlag von Ralf Post.

Der erste Teil des Namens "Rodenkirchen" ist übrigens nicht von "Rodung" abgeleitet, sondern von "ruwen", das bedeutet wie das niederländische "rouwen": "trauern" (siehe hierzu den Eintrag bei Wikipedia),
denn vielen Betroffenen der Verarmung ist nach Trauer zumute.

Der Eine oder die Andere mag beim Begriff "Kirchenmäuse" auch an das Rodenkirchener Kapellchen denken, dessen Vorläuferbau wohl schon im frühen 4. Jahrhundert aus Trauer um Bischof Maternus errichtet wurde.

Presseartikel zum Geisterzug 2009:
Kölner Wochenspiegel
16.07.2008
Kölner Stadtanzeiger
17.07.2008
Kölner Wochenspiegel
23.07.2008
Kölner Stadtanzeiger
03.01.2009
Kölnische Rundschau
21.01.2009
Kölner Wochenspiegel
21.01.2009
Rodenkirchener Bilderbogen
02.2009
Werbekurier
11.02.2009
Radio Köln
21.02.2009
 




zum Seitenanfang

zur Startseite