Jeisterzoch Histörchen

Löstije un ärjerliche Histörchen

Auf dieser Seite sollen Themen angesprochen werden, die zum alternativen Karneval und insbesondere Geisterzug gehören, aber sonst nirgends notiert werden.
Hier ist die Hilfe der Leser/innen gefordert:
Schickt bitte kurze Berichte über besondere Erlebnisse, die wir hier einbauen können an Erich Hermans.

Nit för Kooche . . .

Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre gab es noch viele damals junge Leute, die „nit för Kooche“ über Karneval in Köln bleiben wollten. Dies änderte sich erst sehr langsam, ausgelöst durch Fööss und Stunk.
Die Bläck Fööss machten Musik in vielen verschiedenen Stilrichtungen, so daß sowohl die junge Popkultur als auch ältere Sitzungsbesucher begeistert wurden.
Die Stunksitzung brachte Witz und Satire, die auch junge Linke das Schunkeln lehrte.
Im Nachgang haben sich viele andere Musikgruppen und ein paar Sitzungen (z.B. Fatal Banal) etabliert, die auch ehedem Aufmüpfige ansprechen.
Der Geisterzug gehört in dieses Spektrum.

Annäherung

domschaukela) Als der offizielle Rosenmontagszug 1997 unter das Motto „Nix bliev wie et is, aber wir werden das Kind schon schaukeln“ gestellt wurde, entwarf der Initiator des Geisterzuges ein Plakat hierzu.
Es zeigt, wie die „Offiziellen Karnevalisten“ durch die „Alternativen“ in Schwung gebracht werden.
Das Festkomitee wählte aber einen Entwurf, der biederer war.

SchwalgeUnterstb) Der Geisterzug 1998 wurde von nur zwei Personen organisiert. Das finanzielle Aus konnte in letzter Minute durch eine vom damaligen Oberstadtdirektor Heugel vermittelte Spende verhindert werden.
In späteren Jahren gab es dann regelmäßige Zuschüsse seitens der Stadt und des Festkomitees.

c) Im Vorfeld der Karnevalssession 2000 überlegte der Leiter des Rosenmontagszuges, Alexander von Chiari, wie die immer noch teilweise vorhandenen Berührungsängste zwischen „Traditionalisten“ einerseits und „Alternativen“, Schwulen und anderen bislang nicht zum „Offiziellen“ Karneval gehörenden, aber Karneval feiernden Gruppierungen überwunden werden könnten.
Er entschloss sich, im Rosenmontagszug 2000, der die ganze Geschichte des Kölner Karnevals darbieten sollte, eine Arche Noah mitzuführen, darauf je ein paar aktive Mitglieder von Geisterzug, Stunksitzung und Rosa Sitzung.
Nachdem das Stunksitzungsteam sich gegen die Teilnahme entschieden hatte, lehnte auch die Mehrheit der Geisterzugvorbereiter das Angebot ab:
unter anderem, weil es nicht vermittelbar sei, jedes Jahr mit Spendenaufrufen zu nerven und mit Absage des Geisterzuges aus Insolvenzgründen zu drohen, aber gleichzeitig auf dem Rosenmontagszug mit Karmelle, Praline un Strüßjer um sich zu werfen.
So kam es, daß die Arche Noah von einem anderen Karnevalsverein befahren wurde und Rosa Funken und Colombinen als Fußgruppen im Rosenmontagszug mitgingen.

qualmende Socken . . .

weltnarr2Fast wäre es am Karnevalssamstagabend 1998 in der Stadt eng geworden:
die traditionellen Karnevalisten wollten einen Sternmarsch zum Altermarkt machen.
Nicht als Ostermarsch gegen Nachrüstung, sondern zu Ehren des 175-jährigen Festkomitees.
Viele Geisterzugteilnehmer neigen dazu (sei es aus Unkenntnis des geplanten Weges, sei es als Versuch wenigstens einen Abend im Jahr mal autonom zu sein) sich andere Wege als den angemeldeten zu suchen und damit den Zug zu zerfasern. Würde der Sternmarsch der Traditionellen unsere Wege kreuzen, wäre das Chaos noch größer.
Dies war aber nicht der Hauptgrund, den Sternmarsch auf Freitagabend vorzuziehen.
Wichtiger war wohl der Gedanke, dass viele Sternmarscheure auch Sonntag in den Schull-un-Veedelszöch mitgehen und beides hintereinander recht anstrengend ist.
Es gibt etliche Schull-un-Veedelszoch-Teilnehmer, die schon seit Jahren im Geisterzug mitgehen. Die haben jetzt drei Züge hintereinander.
Einige davon sind auch noch Samstagnachmittags in den Vororten unterwegs. Soweit die qualmenden Füße tragen . . .

Die Tendenz ist uns sympathisch:
Karneval gehört auf die Straße. Es fehlen noch Züge auf den Abenden vor Weiberfastnacht.
Der einzige uns bekannte ist ein kleiner Nubbelabholzug, der seit 1991 Mittwochabends gegen 19.oo h durch Buchheim zieht (Buchheimer Ring, Johanniterstr., Alte Wipperfürther Str.). Der veranstaltende 1. Kölner Nubbelclub hat leider noch keine Homepage.
Der Zug der überlebenden Nubbel auf Aschermittwochabend ist leider eingeschlafen. Er sollte wieder wachgeküsst werden.
Die Leute in Basel ziehen in der Nacht von Sonntag auf Montag nach Aschermittwoch.
Die Abende davor könnten auch noch gefüllt werden.
Ein ganzes Jahr und noch viel mehr . . .

kmii-karneval-klEin paar weitere Berichte finden sich auf den Seiten der Musikgruppen, die im Geisterzug mitgingen und/ oder auf der Bühne standen.
Sie sind auf unserer Unterseite Musike verlinkt.

 

Stand auf der Stunksitzung

stand03Seit der Session 1995 wurde uns Geisterzugmachern von den Stunkern erlaubt, in den Pausen der Stunksitzung und im Foyer des E-Werkes Spenden zu sammeln.
Außerdem durften wir im Foyer einen Stand aufbauen, auf dem wir unsere Gläser, T-Shirts usw. anbieten durften.
Dies war die Haupteinnahmequelle des Geisterzuges!
Da sich anscheinend einige Besucher durch unsere Sammelaktionen belästigt fühlten, durften wir ab der Session 2003 nicht mehr im Saal sammeln, was zu einem erheblichen Einbruch unserer Zug-Finanzierung führte.
Eine Begehung des E-Werks seitens Ordnungsamt und Feuerwehr ergab, dass die Fluchtwege besser freigehalten werden mussten und dass im Foyer weniger Platz für Merchandising genutzt werden durfte. Das heißt: wir durften unseren Stand nicht mehr aufbauen, sondern nur noch zwei kleine Seitentischchen benutzen.
Ergebnis: unsere Artikel wurden nicht mehr wahrgenommen, der Umsatz tendierte auf Null.
Seit der Session 2004 sind wir in der Stunksitzung nicht mehr vertreten.
Unsere Umsätze und das Spendenaufkommen sind seither äußerst gering.

Unser Nachrichtendienst berichtet:

Köln, 15.02.2007

Seltenes Tier gesichtet

Die Jagd hat begonnen. Jedes Jahr zur Karnevalszeit erscheint eine sehr seltene Tierart: der Ähzebär.
In den vergangenen Jahren tauchte er zu verschiedenen Daten, aber doch immer am Karnevalssamstag auf. Fotografen legen sich jedes Jahr auf die Lauer, um das seltene Tier vor die Linse zu bekommen.
Auch zeigt sich der Bär jedes Mal an anderen Orten in Köln.
Tierschützer haben festgestellt, dass der Ähzebär zu den bedrohten Tierarten gehört.
Bedroht wird er durch
– Neider, die den Bären vertreiben wollen,
– Flaschen, die seine Tatzen gefährden,
– Fotografen, die ihn mit Blitzlicht vertreiben wollen.
Der Zoodirektor will diesen Bären als Hauptattraktion für den Kölner Zoo fangen.
Die Grünen plädieren dafür, ihn einzufangen und im polnischen Nationalpark Bialowieza auszuwildern, weil er dort besser leben kann.
Gegen diese Vorschläge gibt es breiten Widerstand in der Kölner Bevölkerung, es kommt seit mehreren Jahren jeweils auf Karnevalssamstagabend zu Demonstrationen hiergegen.
So wie es früher in der DDR Montagsdemonstrationen für mehr Freiheit und letztlich die Wiedervereinigung gab, so gibt es hier in Köln seit sechzehn Jahren die Karnevalssamstagabenddemonstration um den heimischen Ähzebär hier in Köln zu halten.

Ob es gelingt den Ähzebär zu fangen oder ob er wieder für ein Jahr entwischt:
wir werden darüber berichten.
Alaaf.

Autor: Ralf Post